Kieler Professorinnen und Professoren von 1919 bis 1965

Die Christian-Albrechts-Universität in den Jahren 1933 bis 1945

Die NS-Zeit hat die deutschen Universitäten tiefgreifend verändert. 1933 begann die per Gesetz verordnete Gleich­schaltung der Hochschulen, in deren Folge missliebige Hoch­schul­lehrer, v. a. „Nicht-Arier“ und politisch Anders­denkende, zwangsversetzt, -emeritiert oder entlassen wurden. Ein prominentes Beispiel für einen vertriebenen Kieler Wissenschaftler ist Walther Schücking, der der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) angehörte und schon von der Macht­übernahme national­sozialistischen Anfeindungen ausgesetzt war. Am 25. April 1933 wurde er beurlaubt und starb zwei Jahre später in Den Haag.

Gleichzeitig wurden die Hoch­schulen nach dem „Führerprinzip“ hierarchisch neu geordnet; die institutionellen und personellen Veränderungen mussten sich letztlich auch auf Forschung und Lehre auswirken. Die Christiana Albertina, die sich wegen ihrer Nähe zu Dänemark als eine „Grenz­land­universität“ verstand, sollte, vor allem unter den Rektoren Georg Dahm, Paul Ritterbusch und Hanns Löhr umfassend „politisiert“ werden und damit einen Beitrag zur „Volkstums­arbeit“ leisten. Wie dieser Beitrag der einzelnen Wissen­schafts­disziplinen zu den Vorhaben der NS-Führung allerdings konkret aussehen sollte, gaben weder die zuständigen Stellen in Berlin noch die regionalen Instanzen dezidiert vor. Die Hochschul­angehörigen waren entsprechend einer­seits dem starken Druck ausgesetzt, im Sinne des National­sozialismus zu forschen und zu lehren, ohne aber anderer­seits genauere Vorgaben dazu zu haben, wie dies in der Praxis umzusetzen sei.

Ein Feld der Hochschulpolitik, das von verschiedenen Staats- und Partei­stellen intensiv betrieben wurde, war die Personalpolitik. Neben fach­wissen­schaftlichen und pädagogischen Fähig­keiten bewertete man auch die politische Einstellung der Kandidaten. Zugeständnisse an den National­sozialismus, worunter u.a. die Mitglied­schaft in der National­sozialistischen Deutschen Arbeiter­partei (NSDAP) oder einer ihrer Unter­organisationen zählen, konnten die eigene akademische Karriere entsprechend voranbringen. Die folgende Graphik zeigt die Anzahl der NSDAP-Mitgliedschaften unter den Kieler Professoren im Zeitraum von 1929 bis 1944:

NSDAP-Parteimitglieder unter den Kieler Professoren 1929-1944

Anzahl der NSDAP-Mitglieder unter den Kieler Professoren von 1929-1944

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Zum Weiterlesen:

  • Christoph Cornelißen und Carsten Mish (Hrsg.): Wissenschaft an der Grenze. Die Universität Kiel im Nationalsozialismus. Essen 2009 (Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, 86; „zeit + geschichte“, 14).
  • Martin Göllnitz: Das 'Kieler Gelehrtenverzeichnis' in der Praxis. Karrieren von Hochschullehrern im Dritten Reich zwischen Parteizugehörigkeit und Wissenschaft, in: Jahrbuch für Universitätsgeschichte 16 (2013), S. 291-312.

Autorin: Lisa Kragh